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FACHWERK RESTAURIEREN

Erhalten und gestalten


Bei diesem Haus handelt es sich um eine ehemalige Hofstelle von 1785. Dieses Fachwerk wurde von Grund auf saniert und modernisiert.

Fachwerk erhalten und gestalten

Das Fachwerkgebäude beheimatet viele „Krankheiten“ und eine Restaurierung ist im wahrsten sinne eine exorbitante Herausforderung für den Fachmann. Den Insekten- wie Pilzbefall, jedoch auch die Farbspuren lang vergessener Zeiten gilt es in die Schranken zu weisen, um dem historischen Gebäude wieder Leben einhauchen zu können. Durch den nachfolgenden Beitrag möchte ich auf einige allgemein bekannte „Krankheiten“ eingehen und die Rekonstruktion näher beschreiben. Zuvor erwähnen möchte ich, daß eine Fachwerk-Restaurierung nichts für den privaten Bauherrn ist, da es für den Erhalt eher schädlich sein dürfte, wenn sich „von Hören sagen fachkundige“ ans Werk machen.

 Objektbewertung als Grundlage

Der Malermeister wird von seinen Kunden sehr oft zur Innaugenscheinnahme an die Fassade gerufen und dann folgt der Spruch „Streich das ganze Mal eben über“. Hier ist der Fachmann gefragt und gefordert. Eine Untergrundprüfung unter Berücksichtigung der Putzstabilität, der Haftung und Festigkeit sollte ebenso erfolgen, wie die Prüfung der Holzkonstruktion und die Anhangshaftung der Farbschichten, welche mit wenigen Hilfsmittel fachgerecht erfolgen können. Auch bei einer optisch intakt wirkenden Holzoberfläche zeigen sich mitunter beim Einschneiden mit einem Messer oder Ankratzen mit einem Schaber, daß das Holzwerk unterhalb der intakten Farbbeschichtung verfault ist. Fehlstellen innerhalb der Gefache, welche unsachgemäß verschlossen wurden, oder statische- wie auch Setzrisse in verschiedensten Konstruktionen werden bei einer fachgerechten Bewertung und Untersuchung sehr rasch sichtbar und stellen den geübten Fachmann vor lösbaren Aufgaben.

Sofern verfaulte oder stark beschädigte Holzkonstruktionen auffallen, ist umgehend die Statik zu überprüfen um den nachweiß der Standfestigkeit zu erhalten. Oberflächlichkeit vor einer Restaurierung ist wie „Karies beim Zahnarzt“, nur wenn der „Keim“ entdeckt und beseitigt ist, stellt sich eine „Gesundung“ ein. Dies gilt bei so wertvollen historischen Gebäudekomplexen wie dem Fachwerk im Besonderen.
Bei Schäden am Holzwerk muß der verfaulte oder angefaulte Bereich abgebeilt werden. Anschließend wird der entfernte Bereich vom Zimmermann restauriert durch Aufdoppeln oder Anschuhen. Zu Beachten bleibt hier das altes- oder artgleiches Material zu Anwendung kommt.

Ist der Putz tragfähig – gibt es Ausbrüche

Sofern die Gefache keine Tragfähigkeit mehr aufweisen, sind dieselben restlos zu entfernen und auszutauschen. Beim Füllen der Gefache ist zu beachten, daß dies von oben nach unten erfolgt und keineswegs umgekehrt. Denn wenn das Auffüllen der Gefache von unten erfolgt, so entsteht durch jede weitere Ausfachung ein Druck auf die darunterliegenden Gefache. Dabei führt der Druck zu Spannungen und letztlich zu Abrißfugen, Quetschungen bis hin zu statischen Rissen. Neue aufgebrachte Putzschichten werden in aller Regel als Kalkmörtel hergestellt und nach den Vorgaben der jeweiligen Hersteller aufgetragen. Nach sorgsamer Durchhärtung der relevanten Putzschichten können die Gefache anstrichtechnisch weiterbearbeitet werden.

Feuchtigkeit – kein Holzfreund

Wenn sich im Holz kleine Risse gebildet haben oder die Risse von oben nach unten verlaufen, so kann die Feuchtigkeit nach außen absorbiert werden. Hier werden die Risse mit Farbe ausgestrichen. Jedoch sobald Risse sichtbar sind in welchem die Feuchtigkeit stehenbleibt, müssen dieselben mit artgleichem Holz ausgespänt werden. Es wird artgleiches vorgetrocknetes Holzmaterial verwendet. Darunter sind Holzteile zu verstehen, welche weit weniger Feuchte beinhalten als die Holzkonstruktion selbst. Durch Ausgleich der Holzfeuchte werden die eingesetzten Holzspäne dann fest an die Holzwandung der Risse gepreßt. Der Zimmermann entscheidet im Einzelfall, ob hier und da noch zusätzlich Holzleim Anwendung findet. Des weiteren werden die Hölzer so ausgewählt, daß kein Wasser eindringen kann, aus diesem Grund ist es bei horizontalen Holzstäben von Vorteil, wenn das Mark in einer Ecke des Balkens liegt.

Fugendichtmassen finden viele Anwendungsmöglichkeiten, jedoch bei einer Fachwerkrestaurierung sind diese ungeeignet, weil keine dauerhafte Dichtigkeit erzielt werden kann. Das Holz wird sich auffeuchten weil durch die Abdichtung die Abgabe von Feuchtigkeit verhindert wird. Als weiteren kritischen Punkt sind die waagerechten Zapfenlöcher zu betrachten, weil sich dort Feuchtigkeit ansammeln und lange schädlich reagieren kann. Als Folge entstehen Fäulnisschäden im Holzbalken, welche im Regelfall bis zu 50 cm links und rechts vom Zapfenloch aufkommen. Beim Schrägen anbohren mit einem Durchmesser von etwa 20 mm können diese Löcher auf Dauer entwässert werden, um aufkommende Fäulnisschäden zu vermeiden.

Schlagregenbelastung beim Sichtfachwerk

Bestandsdokumentation

Fortgeschrittene Fäulnis sowie Schadhafte Beschichtungen beim Sichtfachwerk

 
In der Praxis wird das Sichtfachwerk beim Fäulnisverdacht freigelegt um weitere Schäden zu verhindern oder vorhandene zu sanieren, da das sichtbare Fachwerk in aller Regel nicht dicht gegen Schlagregen sein kann, weil das Wasser weniger über die Fläche als durch die zahlreichen Fugen in die Wand einzudringen vermag. Sofern die Schlagregenmenge kleiner als 140 ml/m2; (entspricht der Schlagregenbeanspruchungsgruppe 1 nach DIN 4108) ist, sollte keine schlagregenbedingte Beeinträchtigung zu erwarten sein. Sofern höhere Werte festgestellt werden, sind die stark witterungsbelasteten Bereiche zu verkleiden. In diesem Fall ist auf ein Freilegen jedoch zu verzichten.

Beschichtungen und ihre Wasserdampfdurchlässigkeit

holzschaden

Holzschäden und vielschichtige Anstriche, sowie der Verwitterungseinfluss zeigen ein umfangreiches Schadensbild.

 
Holzschäden und vielschichtige Anstriche, sowie der Verwitterungseinfluss zeigen ein umfangreiches Schadensbild. Ein weiterer Punkt ist die Bewertung der Beschichtungen auf den Holzflächen, welche mitunter in faßt unbegrenzter my-Stärke vorliegt. Bei jeder weiteren Beschichtung ist davon auszugehen das keine Wasserdampfdurchlässigkeit mehr aufkommen wird. Dies liegt vor, wenn die Gesamtbeschichtung einen *Sd – Wert (μ-Wert x Schichtdicke ergibt den sd-Wert – Einheit: m – s = Strecke und d = Diffusion) von mehr als 5m hat. Hier ist anzuraten alle Beschichtungen restlos zu entfernen. Die beste Methode wäre das Sandstrahlen mit weichem Strahlgut (JOS-Verfahren). Hierbei wird das Holz schonend und ohne Wassereinwirkung, wie etwa beim Hochdruckreinigen, vor weiteren Feuchtigkeitsschäden bewahrt. Die Putzgefachen sind verständlicherweise so zu schützen, daß keine Beschädigungen auftreten, um nachfolgend aufkommende Feuchteschäden zu unterbinden.

Zur Unterstützung bei einer anstehenden Restaurierung dienen die WTA-Merkblätter zum Thema Fachwerk, welche Detaillösungen vorgeben, die aus der Praxis entstanden und für die Praxis erarbeitet wurden.
 

*Sd-Wert und µ-Wert Begriffserklärung

beispiel

µ-Wert x Schichtdicke ergibt den sd-Wert (Einheit)

Der sd-Wert?
„Wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke” (kurz: sd-Wert)
Der Begriff SD-Wert ist ein theoretischer Wert der die Dampfdurchlässigkeit eines Baustoffes bestimmt.
Je höher der Wert, desto weniger Feuchtigkeit diffundiert (kriecht) durch das Material.
Kleiner SD-Wert= Hoher Feuchtigkeitsdurchlass, Hoher SD-Wert = Geringer Feuchtigkeitsdurchlass
Wenn die Häuser zu dicht sind, d. h. der SD-Wert der Bauteile zu hoch ist, dann machen sich die Schwachstellen stärker bemerkbar.
Auf dem deutschen Baustoffmarkt wird eine PE-Folie mit einem SD-Wert von 100 m als Dampfbremse verkauft.
Eine OSB-Platte mit einem theoretischen SD-Wert von 2 m bezeichnet man als diffusionsoffen.
Ich empfehle nur Dampfbremsen mit einem maximalen SD-Wert unter 6 Metern.
Bei einer Dämmung mit Holzkfaser und Zellulose (mehr als 15 kg/qm) kommt es auch ohne Dampfbremse im Normalfall zu keinem Tauwasserausfall.
Alle Materialien haben die Fähigkeit, die Diffusion zu bremsen. Bei gasförmigem H2O heißt diese Materialeigenschaft: Wasserdiffusionswiderstandszahl= μ-Wert).
μ-Wert x Schichtdicke ergibt den sd-Wert (Einheit: m).
s = Strecke und d = Diffusion. sd-Wert.
Die Feuchtigkeit sucht sich stets den Weg des geringsten Widerstandes.

Erhalten und gestalten

  • Maurer Verlag – Ausbau & Fassade -

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